Solarworld AG Probleme

SolarWorld AG
Interview zu Hintergründen

Gläubigerversammlung der Solarworld AG – Interview

10.07.2013 - Die beiden Gläubigerversammlungen für Gläubiger der Solarworld AG liegen hinter uns. Gemeinsame Vertreter sind bestellt, doch wie geht es nun weiter?

Lesen Sie das Interview mit Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht Thorsten Krause, Partner der auf Anlegerrecht und Aktienrecht spezialisierten Kanzlei KAP Rechtsanwälte in München.

Wie bewerten sie die Ergebnisse der beiden Gläubigerversammlungen?

Zunächst muss festgehalten werden, dass es sich rein technisch um vier Gläubigerversammlungen handelte. Jeweils am Vormittag wurde eine Gläubigerversammlung zur Wahl eines gemeinsamen Vertreters abgehalten. Am Nachmittag hatte dann je eine „neue“ Gläubigerversammlung zum Restrukturierungskonzept stattfinden müssen. Diese Unterteilung war aus formaljuristischen Gründen notwendig.
 
Ein Problem ist, dass die Gläubiger in den Verhandlungen relativ schwach vertreten waren. In der Gläubigerversammlung am Montag nur knapp 19,9% am Dienstag waren es 17,53%. Beide Versammlungen haben den vorher vorgeschlagenen gemeinsamen Vertreter gewählt, der nun als sog. „schwacher Vertreter“ zwar eine Menge Informationsrechte hat, jedoch keine wesentlichen Handlungen für die Gläubiger vornehmen kann.

Wie bewerten sie die Nachmittagstermine?

In den Nachmittagsterminen konnte relativ wenig unternommen werden, da das dort vorgeschriebene Quorum, d.h. die Mindestteilnehmerzahl von 50 % der Anleger deutlich unterschritten wurde. So wurde bereits in den Vormittagsveranstaltungen das Sanierungskonzept der Solarworld in Grundzügen vorgestellt.

Wie haben sie die Stimmung vor Ort wahrgenommen?

Generell war die Stimmung eher beklommen und resigniert. Die wenigen anwesende Privatanleger wirkten, als würden sie der Meinung sein, keine andere Wahl zu haben als den gemeinsamen Vertreter und den Sanierungsplan der Solarworld „durchzuwinken“. Über Alternativen scheinen die meisten noch gar nicht nachgedacht zu haben.

Wie meinen sie das?

Wir haben hier bereits gegenüber der Solarworld die Kündigung von Anleihen ausgesprochen. Diese Kündigung bewirkt, dass die Anleger die vor der Zustimmung zum Restrukturierungskonzept die Kündigung erklären, nicht an dem Schuldenschnitt im Zusammenhang mit dem Restrukturierungskonzept beteiligt sind und ihre Anleihen zu 100% dessen Nominalwertes ausbezahlt bekommen, sofern genügend Geld in der Gesellschaft enthalten ist.

Wie ist die Reaktion hierauf?

Verständlicherweise wird die Solarworld die Kündigung nicht ohne Gegenwehr akzeptieren. Wir sind hier bereits dabei, für unsere Mandantschaft Klagen zur Feststellung der Wirksamkeit der Kündigung vorzubereiten.

Sanieren sich hierdurch nicht einige Anleger auf Kosten der übrigen?

Generell könnte man das so sehen, da es jedoch im Endeffekt die Großanleger wie Banken und Investmentfonds sein werden, die letztlich über die Annahme oder Ablehnung des Sanierungskonzeptes entscheiden werden, erscheint es aus unserer Sicht nur fair, dass diese einen Großteil der Verzichte zu tragen haben. Dass diese Sanierung auf Rücken der Kleinanleger ausgetragen wird, die die Anleihen der Solarworld größtenteils als sichere Geldanlage, einige sogar für ihre Altersvorsorge, erworben haben, erachten wir hingegen für nicht fair, sodass wir für unsere Mandantschaft diesen Weg aus ihrer ganz persönlichen Krise gesucht haben.

Ist für diese Kündigung eine Frist gesetzt?

Generell nein, jedoch sollte dringend vor der zweiten Gläubigerversammlung, die Anfang August 2013 stattfinden soll, über ein solches weiteres Vorgehen nachgedacht werden. Sollte die zweite Gläubigerversammlung ggf. tatsächlich zur Frage des Restrukturierungskonzeptes ein entscheidungsfähiges Quorum haben, dann reichen 25% der Anleger, und das Restrukturierungskonzept annehmen, könnte es für viele für den Ausstieg zu spät sein.
 
Herr Rechtsanwalt Krause, wir danken für das Interview.

 



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