POC 2 Proven Oil Canada Check

Proven Oil Canada
Faktencheck zum Rundschreiben

Erneutes Rundschreiben der POC - die Darstellungen im Faktencheck

München, den 15.09.2015 - Anleger der POC-Fonds POC Eins, POC Zwei, POC Growth, POC Growth 2, POC Growth 3 und POC Natural Gas erhalten gerade erneut Post von der Gesellschaft. Diesmal werden die Ergebnisse der Gesellschafterversammlungen in den buntesten Farben beschrieben, die Gesellschaft gibt sich als "bester Freund" der Anleger und wettert gegen die "bösen" Anwälte.

Doch was ist dran an den Darstellungen der Fonds? KAP Rechtsanwälte haben das Schreiben einer kritischen Prüfung unterzogen:

1. "Auch die Fondsgesellschaft möchte mehr Informationen"

Schon im ersten Punkt des Rundschreibens gibt sich die Fondsgesellschaft solidarisch mit den Anlegern "wir stimmen mit all diesen Forderungen überein" heißt es bezüglich der Forderung nach konkreten Zahlen aus den Reihen der Fondsgesellschaft. Das sei jedoch auch für die deutsche Gesellschaft bislang nicht möglich gewesen, da die kanadische Gesellschaft die Zahlen bislang nicht geliefert habe. Von "erheblichen Defiziten" bei der Information spricht die POC hier. Zahlen fehlen bis heute.

Doch sollte nicht genau das die Anleger stutzig machen, dass hier einer Gesellschaft noch einmal Gelder gegeben werden sollen, die es mit der Information ihrer Geschäftspartner bisher nicht so genau genommen hat?

Besonders bemerkenswert ist hier der Satz “Durch dieses Verfahren werden - im Gegensatz zu einem deutschen Insolvenzverfahren - nicht die Interessen der Gläubiger geschützt, sondern des Schuldners, hier also der COGI LP (also Ihrer Assets).” Was die POC hier übersieht: auch die POC Gesellschaften bzw. deren Anleger sind als Gesellschafter der COGI LP auch deren Gläubiger und wollen von dieser Geld. Die Kanadischen Ölfelder gehören nämlich nicht den Anlegern, sondern diese haben der COGI LP ihre Anlegergelder zur Verfügung gestellt und müssen nun auf eine entsprechende Rückzahlung bzw. Verzinsung hoffen. Dass hier ein Insolvenzverfahren, dass die Schuldner statt der Gläubiger schützt als “Erfolg” für die Anleger gefeiert wird, spricht aus unserer Sicht entweder für eine bewusste Irreführung oder dafür, dass das eigene Fondskonzept nicht verstanden wurde. Welche Variante schlimmer ist, möge jeder für sich entscheiden.

Was die POC in ihrem Schreiben auch “vergisst” ist, dass sie zumindest die aktuellen Zahlen der COGI LP durchaus in Erfahrung bringen und darstellen könnte: in dem Antrag auf Eröffnung des Planinsolvenzverfahrens (CCAA) zumindest finden sich deutliche Zahlen: die vorläufige Bilanz der COGI für das Jahr 2013 weist einen Verlust von CAD 8,06 Mio. aus. Für das Jahr 2014 wurden Verluste von CAD 87,13 Mio und für die ersten drei Monate des Jahren 2015 Verluste von CAD 4,125 Mio. ausgewiesen. Warum die POC diese Zahlen, die ihr seit August 2015 zugänglich sind, nicht an ihre Anleger weitergibt, ist für Anleger wohl weniger verständlich. Dass an diese Gesellschaft nun weitere Anlegergelder zurückfließen sollen, als “Erfolg” zu bezeichnen, ebenfalls kaum.

Wer dies noch einmal nachlesen möchte: die POC hat in ihrem Rundschreiben schon die Website genannt, auf der sich die Dokumente öffentlich finden lassen: www.mnpdebt.ca/COGI.

2. "Der COGI soll Geld zur Verfügung gestellt werden, das CCAA Verfahren ist ein Segen für die Anleger"

Auch der zweite Punkt des Schreibens ist erstaunlich: Gelder, die die deutschen Anleger auf die Aufforderung der Gesellschaft an diese zurückgezahlt haben, sollen nun der COGI zur Verfügung gestellt werden. Die Gesellschaft scheint sich hier auch nicht an die Abstimmungsergebnisse ihrer Gesellschafter gebunden zu fühlen, denn zu den aus Sicht der Gesellschaft “ungünstigen” Abtimmungen der POC Eins und POC Growth 2 heißt es “... und die anderen beiden Fonds im Rahmen einer etwaigen weiteren Abstimmung möglicherweise anders abstimmen werden [...] Wir sind guter Hoffnung, dass dies gelingt”. Dass die Anleger hier unter dem Eindruck der “Informationen” aus der Gesellschafterversammlung gehandelt haben und wohl befürchten, dass die Gelder ohne sinnvollen Fortführungsplan an die COGI gezahlt werden sollen, scheint die POC wenig zu beeindrucken.

Das ominöse “Gutachten einer großen deutschen Rechtsanwaltskanzlei”, auf das sich die POC an dieser Stelle und in den bisherigen Anschreiben beruft, ist uns nicht bekannt und wir gehen auch weiter davon aus, dass die Regelungen im Gesellschaftsvertrag die Gesellschafter gerade nicht zur Rückzahlung verpflichtet. Erst recht nicht nach der nun vorliegendenen Insolvenz der COGI. Die von der POC mehrfach zitierte BGH-Rechtsprechung setzt sich mit einem komplett anderen Fall auseinander und kommt am Schluss dazu, dass die Anleger im dortigen Fall ihre Ausschüttungen gerade nicht zurückzahlen müssen.

3. "Den deutschen POC-Gesellschaften droht ohne Zahlung an die COGI die Insolvenz"

Die POC baut weiter ein Horrorszenario auf, dass die COGI ohne Zahlungen aus Deutschland das CCAA Verfahren verweigert und die Regelinsolvenz eingeleitet werden könnte. Dies würde eine Inanspruchnahme der deutschen POC Gesellschaften und letztlich eine Insolvenz dieser Gesellschaften einläuten. Dies kann zwar durchaus eintreten, allerdings hegen wir aufgrund der massiven Verluste der COGI in den vergangenen Jahren die Befürchtung, dass diese nicht durch die Zahlungen der deutschen Gesellschafter aufgefangen werden können.

Und selbst wenn: Es ist nicht gesagt, dass dann eine dauerhafte Sanierung eintreten wird, der Totalverlust der angelegten Gelder ist noch immer möglich. Und das Worst-Case-Szenario, dass die POC Gesellschaften in die Insolvenz gehen und der Insolvenzverwalter von den Anlegern die Ausschüttungen zurück verlangt? Das ist grundsätzlich möglich, aber für viele Anleger auch nicht viel schlimmer, als die derzeitige Situation “kampflos” hinzunehmen und die Zahlungen an die POC zu leisten.

4. "Die deutsche Geschäftsführung will die Anleger mehr informieren"

Angeblich möchte die deutsche Geschäftsführung die Anleger nun im Rahmen des CCAA Verfahrens mehr informieren, da es nun einfacher sei, an die Informationen aus Kanada zu kommen. Schöne Worte, doch die POC muss sich an dieser Stelle einmal mehr fragen lassen, warum sie den Anlegern dann die Zahlen aus dem CCAA-Antrag nicht längst, spätestens vor der Gesellschafterversammlung, zur Verfügung gestellt hat und auch in ihrem aktuellen Schreiben nicht eine Zahl Erwähnung findet.

5. "Einsetzung eines Beirates"

Endlich ein Punkt, den wir aus unserer Sicht unkommentiert stehen lassen können. Es wird sich zeigen, ob die Beiräte auch mit genügend Kompetenzen ausgestattet werden und ob wenigstens der Beirat Einsicht in die Unterlagen der Gesellschaften erhält. Zu befürchten ist, dass die Gesellschaften auch hier unter Berufung auf “schwierige Informationslagen” nicht alle Daten preisgeben.

6. "Jahresabschlüsse 2013/2014"

Auch hier ist die Schuld von der POC schnell auf die kanadischen Gesellschaften verschoben, die die POC angeblich nicht ausreichend mit Informationen versorgt haben. Es gebe “bei der Beurteilung und Bewertung der kanadischen Abschlüsse [...] Klärungsbedarf”. Erstaunlich ist, dass sich die Gesellschaften hier auf die Jahresabschlüsse 2013 und 2014 beziehen, bei denen es angeblich zu Problemen gekommen sei, die letzten von den POC Gesellschaften veröffentlichten Abschlüsse jedoch das Jahr 2011 betreffen. Nach § 325 HGB haben Kapitalgesellschaften Jahresabschlüsse spätestens ein Jahr nach dem Abschlussstichtag beim Bundesanzeiger einzureichen. Die Jahresabschlüsse für das Jahr 2012 hätten also spätestens am 01.01.2014 veröffentlicht werden müssen. Warum es hierzu noch nicht kam, dazu erklärt sich die POC aus unserer Sicht nicht nachvollziehbar.

7. "Verkäufe von Assets liegen im Rahmen"

Auch zu den Verkäufen wird viel geschrieben und wenig gesagt. Zu welchen Preisen die Assets verkauft wurden und wie deren Einkaufspreise lagen wird ebenso wenig deutlich wie die Frage, an wen diese Assets verkauft wurden.

8. "Anwälte handeln nicht im Interesse der Anleger"

Selbstverständlich erfolgt am Ende des Schreibens noch ein Seitenhieb auf die “bösen” Anlegeranwälte, die gar nicht im Interesse der Anleger handeln würden, sondern nur im eigenen Interesse handeln würden.

Grundsätzlich handeln Anwälte im Interesse ihrer Mandanten, denn dafür werden sie bezahlt. Wenn eine Sanierung der COGI LP hier aus unserer Sicht der “richtige Weg” für unsere Mandanten wäre, würden wir diesen auch unterstützen. Gemessen an den derzeitigen Informationen, die die POC erteilt und den Zahlen der COGI im CCAA Verfahren sehen wir für unsere Mandanten jedoch andere Wege für zielführend. Dass diese der POC und den beteiligten Personen weniger gefallen, da es hier an die eigene Haftung gehen kann, können wir nachvollziehen.

Dass die POC hier sogar die Wirtschaftswoche zitiert, um die Rechtsanwälte, die sich mit dem Fall beschäftigen schlecht zu machen, ist bemerkenswert, insbesondere wenn man sich auf den Seiten der Wirtschaftswoche die Bericht-erstattung über die POC ansieht, wie aktuell in der Ausgabe 38 vom 11.09.2015.

Prüfung von Ansprüchen

Vermehrt wenden sich nach der Gesellschafterversammlung Anleger an uns, die verunsichert sind, ob nun wirklich “alles im Reinen” sei. Viele befürchten, ihre Anlage letztlich verloren zu haben. Doch das muss nicht sein. Nach der Rechtsprechung des BGH haben Anleger, denen bei Abschluss einer Anlage etwa deren Risiken nicht korrekt dargestellt wurden, Anspruch darauf, so gestellt zu werden, als hätten sie die Anlage nie getätigt. Geschlossene Unternehmensbeteiligungen an Kapitalanlagen des so genannten “grauen Kapitalmarktes” wie die Beteiligungen an der Proven Oil Canada haben teils erhebliche Weichkosten und Verlustrisiken und dürfen daher Anlegern nicht als sichere und für die Altersvorsorge geeignete Anlagen empfohlen werden (BGH-Urteil III ZR 249/09).

Für unsere Mandanten haben wir bereits Klage gegen die POC Growth 3 und 4 sowie die Treuhänder eingereicht. Weitere Klagen sind in Vorbereitung.



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